Das Internet of Robotic Things
Leute, die gerne Filme wie „I, Robot“, „Blade Runner“ oder die „Terminator“-Serie schauen, könnten sich eine apokalyptische Zukunft ausmalen, in der sich Menschheit und Roboter in einem erbitterten Kampf um die Vorherrschaft oder sogar ums Überleben gegenüberstehen. Andererseits ist es auch denkbar, dass KI (Kurzform für „Künstliche Intelligenz“; englisch: „Artifical Intelligence“ oder kurz „AI“) in Wirklichkeit noch lange nicht so hoch weit ist, um die Träume – oder auch Alpträume – der Sciencefiction-Autoren erfüllen zu können.
Was immer auch bei der Koexistenz von Mensch und Roboter herauskommen wird, eines ist sicher – die „Zukunft“, in der wir bereits mittendrin stecken, ist viel aufregender, als sich das viele Leute vorstellen. Das gilt sowohl für die Entwicklung der Robotik selbst als auch für die Entwicklung der Beziehungen zwischen Mensch und Roboter.
So werden beispielsweise auf Bohrinseln und bei Ölpipelines schlangenähnliche Roboter, die sich durch die Tiefen der See schlängeln können, für Inspektionen, und Instandhaltungs- und Reparaturarbeiten in Meerestiefen genutzt. Wieder zurück an Land: Boston Dynamics zeigt uns einen humanoiden Roboter, der uns unglaubliche Kunststücken vorführen kann: kraftvoll und agil, mit Sprüngen und Salto rückwärts. Das Unternehmen hat einige Roboter hervorgebracht, die sich auf unheimliche, und manchmal auch beängstigende, Weise wie Mensch oder Tier verhalten. Dubai hat große Ambitionen in Richtung Smart City. Dabei nehmen Drohnen und Roboter einen zentralen Platz in den Entwicklungsplänen der Stadt ein. Von der Stadt wurde bereits eine Drohne getestet, die möglicherweise als Grundbaustein für ein luftgestütztes Transportsystem geeignet wäre. Ein solches Transportsystem könnte schon innerhalb von fünf Jahren realisiert werden.
Auch die Mensch-Maschine-Beziehungen unterliegen einem Entwicklungsprozess. Zheng Jiajia konnte einfach nicht die geeignete Frau für sich finden. Seine Lösung des Problems bestand darin, einfach eine der von ihm selbst geschaffenen Roboter(innen) zu heiraten – aber zwei Monate „Verlobungszeit“ mussten schon sein. Im Rahmen eines Tech Summits hat sich Saudi-Arabien entschlossen, Sophia, einer von Hanson Robotics gebauten Roboter-Dame, die saudi-arabische Staatsbürgerschaft zu verleihen. Das war zwar nur ein Werbegag. Trotzdem ist die Frage, ob wir Robotern Rechte gewähren sollten, nicht so einfach von der Hand zu weisen.
In diesem Artikel möchten wir unser heutiges Verhältnis zwischen Mensch und Roboter beleuchten und uns damit befasst, wohin das so führen könnte. Zuerst werden wir uns die verschiedenen Arten von Robotern sehr verschiedener Größenordnungen anschauen – von Robotern, so groß wie ein Haus, bis hin zu Instrumenten, die Objekte in Molekülgröße handhaben können. Das wird uns zeigen, wie weit sich die Landschaft der allgegenwärtigen Roboter schon erstreckt, und welche Fragen sich bei dieser beständigen Entwicklung stellen. Im Rahmen dieses Überblicks werden wir uns auch den Sonderfall der humanoiden Roboter und Androiden anschauen und auch Drohnen werden wir als eine Art von Robotern betrachten.
Anschließend werden wir uns diese Landschaft der Roboter weiterdenken. Dazu werden wir uns die neuen Möglichkeiten anschauen, die sich aus dem durch die Einbindung von Robotern in das Internet der Dinge („Internet of Things“, kurz IoT) entstehendes Internet of Robotic Things (IoRT) ergeben, und wir werden uns mit den tatsächlichen Gegebenheiten der KI und den möglichen – positiven oder auch negativen – Auswirkungen auf die Zukunft unserer Berufswelt befassen.
Zu guter Letzt werden wir eine Brücke zwischen diesem „großen Bild“ und der heutigen Situation schlagen. Dazu werden wir einige Beispiele zu schon heute „von der Stange“ verfügbaren Kits betrachten, mit denen Entwickler Möglichkeiten der Robotik auch ohne große Budgets erkunden können.
Arten von Robotern
Kriege und Wettkämpfe der Roboter: Zu den größten Robotern unserer Tage zählen die gigantischen, ferngesteuerten Kampfroboter von MegaBots, Inc. Diese Roboter tragen gegeneinander echte Wettkämpfe in echten Stadien aus. Diese fünf Meter großen humanoiden Roboter schießen mit kanonenkugelgroßen Paintballs mit einer Geschwindigkeit von bis zu 200 km/h aufeinander. Gewonnen hat der Roboter, der zuletzt noch auf den Beinen steht.

Abb. 1: Megabot – Bild aus Wikimedia Commons
Ein innovatives Konzept für die Bauindustrie – die Digital Construction Platform: Gerade mal einem halben Tag hat eine neue Art von Robotern für den Bau eines Iglu-förmigen Gebäudes mit dem halben Durchmesser der Kuppel des United States Capitol benötigt – ganz allein. In Zukunft könnten derartige autonome Maschinen ganze Städte bauen, exzentrische Strukturen wie das Dr. Seuss-Haus erschaffen und sogar den Boden für die erste menschliche Ansiedlung auf dem Mond bereiten.
Diese Digital Construction Platform, die von einem Team für Werkstoffwissenschaften am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und dem auf Strukturen und Konstruktionen spezialisierten Mediated Matter Lab in Cambridge entwickelt wurde, besteht aus einem langen Hydraulikarm auf einem motorgetriebenen Raupenkettenfahrwerk. Am Ende dieses Roboterarms befindet sich ein kleinerer, elektrisch angetriebener Arm, der feinere Bewegungen ausführen kann. Dieser kleinere Arm ist mit einer Reihe von Sensoren für die Kontrolle von Position und Stabilität ausgestattet und verfügt zudem über Wechselwerkzeuge für Schweißen, Erdaushub und Drucken. Die beiden Arme zusammen haben eine Reichweite von mehr als 10 Metern. Aus einer elektronisch gesteuerten Spitze sprüht der Roboter linienförmig Bauschaum und „druckt“ so die gewünschte Struktur. Der Roboter versorgt sich über Solarmodule und Batterien selbst mit Strom.
Industrieroboter: Die Statistik der International Federation of Robotics weist 253.748 verkaufte Industrieroboter für das Jahr 2015 aus. Ein Drittel dieser Roboter gingen in die Kfz-Industrie, 25 Prozent an Unternehmen der Elektrotechnik und Elektronik und zwölf Prozent in die metallverarbeitende Industrie und den Maschinenbau. Die übrigen Roboter fanden sich in so verschiedenen Branchen wie Luft- und Raumfahrt, Lebensmittelverpackung und Pharmazie wieder.
Durch die Vorteile der Robotertechnik zu immer niedrigeren Kosten fallen die Barrieren für die Einführung von Steuerungs- und Automatisierungssysteme. Daher gelangen immer mehr recht große Roboter auch in eher kleinere Unternehmen.
Roboter in der Montage können anhand von Systemen für „Maschinelles Sehen“ Bauteile erkennen und aufnehmen. Mithilfe von Kraftmesseinrichtungen können Roboter diese Bauteile selbst an Montagepunkte mit engen Toleranzvorgaben ansetzen und in diese einpassen, wie ihre „Human-Kollegen“. Das Bemerkenswerte daran: Roboter werden immer geschickter.
Roboter werden aufgrund ihrer Flexibilität und ihrer problemlosen Neuprogrammierung auf neue Produkte oder Produktserien auch für KMUs immer mehr zu einer sicheren Investition.
Weltweit wird eine neue Welle von Robotern, viel versierter als die heute üblicherweise in der Kfz- und Schwerindustrie anzutreffenden Roboter, Arbeitskräfte ersetzen. Das betrifft sowohl die Automatisierung der Produktion als auch die Logistik.
So führen beispielsweise in einem Philips Electronics Werk in Drachten, Niederlande, 128 von Videokameras geführte Roboter kniffelige Aufgaben aus, und das mit einer viel größeren Fingerfertigkeit als die geschicktesten Arbeitskräfte. Ein Roboterarm bringt in zwei Anschlussdrähte drei perfekte Biegungen ein und fädelt sie dann in zwei Öffnungen, die mit dem bloßen Auge kaum zu erkennen sind. Dabei bewegen sich die Arme so schnell, dass um sie ein Glaskäfig gebaut werden musste, damit sich das Aufsichtspersonal nicht verletzt. Dabei arbeiten sie ganz ohne Kaffeepause – und das über drei Schichten am Tag, an 365 Tagen im Jahr.
Drohnen: Die meisten Leute denken bei Drohnen an ein einzelnes, ferngesteuertes Spielzeug mit Propellern oder an ein großes, unbemanntes militärisches Luftfahrzeug. Die Realität der Zukunft könnte jedoch deutlich anders aussehen. Einem „Futurenow“-Bericht der BBC zufolge, werden Drohnen immer kleiner und immer billiger in der Herstellung. Drohnen werden bald in Gruppen zu Hunderten oder Tausenden um uns schwirren, in Formationen wie bei Vogelschwärmen.
Auf militärischem Gebiet könnten solche Schwärme die seit Jahrzehnten üblichen Waffen und Technologien ausstechen. In übervölkerten Großstädten könnten Formationen aus winzigen Quadrocoptern herumschwirren und Spionage betreiben. Von plötzlich massenhaft aus allen Richtungen auftauchenden Mini-Angriffsdrohnen könnten ganze Panzerbataillone überrannt werden. Sicherlich würden viele von den Dingern abgeschossen, aber ein paar kommen schon durch und vernichten die Panzer.
Solche Schwärme hat es schon gegeben: In einer Halbzeitshow von Lady Gaga beim Super Bowl haben 300 Drohnen die USA-Flagge nachgestellt und dabei den Nachthimmel erleuchtet.
In Zukunft könnten solche Schwärme auch Pipelines, Schornsteine, Hochspannungsleitungen und Industrieanlagen inspizieren, kostengünstig und problemlos.
Auf dem Bauernhof können Drohnenschwärme Pflanzenkrankheiten ausmachen und bei der Abwicklung der Bewässerung helfen. Die Schwärme könnten auch Pestizide und Herbizide versprühen, und zwar genau und ausschließlich an die Stellen, an denen das notwendig ist. Dabei arbeiten die Drohnen gemeinschaftlich und decken die gesamte Fläche ab und füllen Lücken auf.
Mit noch viel kleineren Maßstäben befasst sich das Projekt „RoboBee“ des Wyss Institute an der Harvard University. Im Rahmen dieses Projekts wurden Drohnen kleiner als eine Büroklammer entwickelt, mit einem Gewicht von einem Zehntelgramm. Schwärme aus Tausenden dieser RoboBees könnten für Wetterbeobachtung, Observierungsaufgaben und sogar, angesichts der immer kleiner werdenden Zahl von Bienen, für die Blütenbestäubung von Nutzpflanzen eingesetzt werden.
„RoboBee“ klingt möglicherweise schon nach einem recht kleinen und niedlichen Roboter, aber es geht noch viel kleiner. Forscher am California Institute of Technology in Pasadena haben herausgefunden, dass Miniaturroboter, ausgestattet mit aus DNA bestehenden Armen und Beinen, Objekte in Molekülgröße transportieren können. Diese DNA-Roboter könnten Nanopartikel in Kreisläufen herumschieben, heilende Immunreaktionen auslösen, bestimmte Zellen als „Abfall“ zwecks Entsorgung aussortieren und medizinische Wirkstoffe genau an die Stelle im Körper bringen, an der sie gebraucht werden.
Humanoide Roboter und Androiden: Bei manchen Definitionen wird zwischen diesen beiden Arten von Robotern unterschieden: Ein „Humanoider Roboter“ ist ein Roboter, dessen Äußeres der menschlichen Gestalt ähnelt, ein „Android“ bezieht sich auf einen Roboter, der einen Menschen so originalgetreu wie möglich imitiert.
Nach dieser Ansicht haben „Humanoide“ denselben physischen Aufbau und dieselben kinetischen Eigenschaften wie ein menschlicher Körper, sind jedoch nicht dazu gedacht, einen Menschen nachzuahmen. Solche Humanoide können beispielsweise mit Armen und Beinen ausgestattet sein, die sich auf gleiche Weise wie die Gliedmaßen eines Menschen bewegen können. Das Äußere dieser Gliedmaßen ist jedoch aus Kunststoff oder Metall und soll in keiner Weise das Erscheinungsbild eines Menschen kopieren. Motoren und Hydraulikleitungen bleiben sichtbar. Beispiele für diese Art von Robotern wären „Nao“ von Aldebaran Robotics Nao und „Atlas“ von Boston Dynamics, einem Google Unternehmen.
Atlas ist das neueste Modell der von Boston Dynamics entwickelten Palette von humanoiden Robotern. Das Steuerungssystem von Atlas koordiniert die Bewegungen von Armen, Körper und Beinen. Dadurch wird eine Ganzkörper-Mobilität erreicht, durch die Wirkungs- und Arbeitsbereich dieses Roboters erheblich erweitert werden konnten. Atlas ist in der Lage, beim Ausführen von Aufgaben sein Gleichgewicht zu halten, und kann daher in einem großen Umfeld tätig sein, ohne dabei selbst viel Platz zu beanspruchen.

Abb. 2: Der humanoide Roboter ATLAS von Boston Dynamics – Bild aus Wikimedia Commons
Demgegenüber bilden Androiden den Menschen so genau nach, dass sie für echte, lebendige Menschen gehalten werden könnten. Diese Art von Robotern wird oftmals tatsächlich lebenden Personen nachempfunden. „Eve-R“ vom Korea Institute of Industrial Technology (KITECH) und „Geminoid DK“ sind zwei Beispiele für solche Androiden.
Am International Research Center „E.Piaggio“ der Universität Pisa wird an der „Emotionalen Interaktion zwischen Mensch und Roboter“ geforscht. Dabei werden menschenähnliche Roboter eingesetzt, die emotionale Zustände, Empathie und nicht-verbale Kommunikation imitieren. Die Forschungsgruppe nutzt einen naturgetreuen Androiden mit dem Namen FACE (Facial Automation for Conveying Emotions, Automatische Gesichtsmimik zur Wiedergabe von Emotionen), entwickelt in Zusammenarbeit mit Hanson Robotic. Dieser Android kann emotionale Botschaften in Form von Gesichtsausdrücken darstellen. Dadurch sind Studien zu gefühlsmäßigen Bindungen zwischen Mensch und Roboter möglich. FACE ist Bestandteile einer komplexen HIPOP (Human Interaction Persuasive Observation Platform, in etwa: „Plattform zur Beobachtung der Überzeugungskraft bei Interaktionen mit Menschen“). Diese Plattform ist in der Lage, zeitlich abgestimmte Informationen zu erfassen, die mithilfe von Sensoren zu physiologischen, psychologischen und Verhaltensdaten gewonnen wurden. Dank des modularen Aufbaus von HIPOP können die Wissenschaftler mit HIPOP die verschiedensten Experimente zusammenstellen. Dazu wählen die Forscher in Abhängigkeit von den Vorgaben im Versuchsprotokoll Anzahl und Art der verfügbaren Module aus.
Das Internet of Robotic Things
Das Internet of Things (IoT) bringt uns beständig noch nie dagewesene Erkenntnisse und Kontrollmöglichkeiten über die Welt, in der wir leben: in unserem Zuhause, in Fabriken, Büros, städtischer Infrastruktur, auf dem Bauernhof usw. Das ist möglich, indem das IoT eine große Anzahl von intelligenten Edge-Geräten zu mächtigen, Cloud-basierten Ressourcen für Berechnungen und Analysen vereint.
Mittlerweile hat Telefonica Roboter als Maschinen betitelt, die ihr Umfeld wahrnehmen und mit ihrer Umwelt interagieren und so intelligentes Verhalten zeigen können. Was wäre, wenn wir diese Entitäten – das IoT und Roboter – zu einer neuen Ökosphäre kombinieren würden? Ein Roboter mit einer Verbindung zum Internet würde über eine immense Informationsquelle verfügen, die den Roboter bei Entscheidungsfindungen und Interaktionen hilft.
Der nächste logische Schritt besteht nun darin, für diese allgegenwärtige Konnektivität Smart-Geräte zu entwickeln, die nicht nur einfach ihre Aufgabe erfüllen, sondern sich zu einer gemeinsamen Intelligenz vernetzen und die für alle betreffenden Geräte günstigsten Handlungsabläufe ermitteln.
Das Konzept der Einbindung von Teams aus Robotern in das IoT wird als das „Internet of Robotic Things“’ oder das „IoRT“ bezeichnet. ABI Research definiert das IoRT als: „intelligente Geräte, die in der Lage sind, Ereignisse zu überwachen, Sensordaten aus verschiedensten Quellen vereinen und anhand von lokaler und verteilter ‚Intelligenz‘ die günstigsten Handlungsabläufe ermitteln können.“ Die Grundlagen der Robotik – Erfassung, Bewegung, Mobilität, Manipulation, Autonomie und Intelligenz – werden durch das Internet of Things auf eine neue Stufe gehoben.
Robotiker müssen nicht mehr Unmengen an Zeit, Geld und Energie in die kognitiven Fähigkeiten von Robotern investieren, denn schließlich stellt das IoT wiederverwendbarer und offen verfügbare Informationen bereit, auf die Roboter zur Erfüllung ihrer Aufgaben zugreifen können. Diese angebundenen Roboter sind einfach nur das logische Ergebnis der Evolution der Robotik.
Beim Übergang von einem Konzept „Maschine-zu-Maschine“ zu einem Konzept „Roboter-zu-Roboter“ scheint es sich um eine natürliche Entwicklung zu handeln, da wir von Robotern schließlich erwarten, dass sie ihre Aufgaben immer effektiver, genauer und verlässlicher erfüllen. Von Abläufen „Maschine-zu-Maschine“ erwarten wir ja auch bessere Ergebnisse als von herkömmlichen Steuerungs- und Automatisierungsprozessen.
Die Fulfilment Center von Amazon – eine Anwendung von IoRT in der Praxis: Wie ein Artikel in der „Information Week“ aufzeigt: „Das Projekt ‚Drohnenzustellung‘ von Amazon mit seinem Zukunftspotenzial erhält zwar viel Medienaufmerksamkeit, die echte Magie von Robotern und IoT spielt sich jedoch in den riesigen Fulfilment CenTern von Amazon ab.“
Anstatt eine sich endlos wiederholende Produktionsstraße zu betreiben, verfolgt Amazon, wie andere Auftragsabwickler im Einzelhandel auch, ein Geschäftsmodell, bei dem jede einzelne Bestellung als einzigartig behandelt wird. Diese Unternehmen gehen mit Tausenden, wenn nicht Millionen, von Produkten aller Formen und Größen und Gewichte um. In früheren Zeiten mussten die Mitarbeiter in der Versandabwicklung durch die Hallen schweifen und dabei die Warenablagen nach jedem einzelnen vorgegebenen Produkt absuchen. Diese Tätigkeit haben heute Roboter übernommen. Roboter bewegen die Warenablagen, auch „Pods“ genannt, mit den Produkten dorthin, wo die Produkte von den Mitarbeitern gebraucht werden.
Die Roboter werden über ein abgesichertes Wi-Fi-Kommunikationsnetzwerk von einem Zentralprozessor gesteuert. Mit ihren zwei Antriebsrädern können sich die Roboter auf der Stelle drehen. Hindernisse erkennen die Roboter mittels Infrarot und mithilfe von Kameras an der Unterseite lesen die Roboter auf den Fußboden aufgebrachte QR-Codes. Anhand dieser QR-Codes können die Roboter ihren Standort und ihre Ausrichtung erkennen.
Das Robotik-Versandhaus verdankt seinen Erfolg nicht nur den Robotern, sondern auch der hinter dem System steckenden Intelligenz. Amazon wickelt in jeder Sekunde Hunderte von Bestellungen ab. Sobald der Kunde auf die Schaltfläche „Kaufen“ klickt, wird die Bestellung in ein ausgeklügeltes Abwicklungssystem übernommen. Das Abwicklungssystem sucht dann die bestellten Produkte aus den verschiedenen Amazon Logistikzentren zusammen. Nachdem die Bestellung organisiert wurde, suchen die Roboter die Pods auf und bringen die Pods zu zugewiesenen Packstationen, an denen die Ware für den Versand vorbereitet wird.
Ausführlichere Informationen über das IoT-Ökosystem bei Amazon finden Sie in unserem Artikel Amazon – a prime example of an IoT implementation (Amazon – ein Paradebeispiel für eine Implementierung von IoT).
In Richtung wahrhaft intelligenter Roboter: das Vorankommen bei künstlicher Intelligenz
Uns ist allen bewusst, dass Roboter leistungsstarke und flexible Lösungen darstellen, und das für ein immer breiter werdendes Feld von Anwendungen – die Frage ist nur, wie intelligent, im menschlichen Sinne, sind Roboter tatsächlich oder könnten Sie künftig einmal sein?
Nun, das ist von der „Künstlichen Intelligenz“, meist mit „KI“ abgekürzt, der Steuerungssysteme dieser Roboter abhängig. Wie in einem Artikel auf Howstuffworks.com betont wird: „Im Endeffekt bildet KI den menschlichen Denkprozess nach.“ Dazu gehören auch die Fähigkeit, sich Wissen zu beliebigen Themen anzueignen, Schlussfolgerungen zu ziehen, Sprachen anzuwenden und eigene Gedanken zu formulieren. Von diesem Niveau künstlicher Intelligenz sind sämtliche Robotiker auf dieser Welt noch meilenweit entfernt. KI-Maschinen unserer Tage können einige konkrete Elemente intellektueller Fähigkeiten nachahmen.
So kann ein Computer beispielsweise Probleme lösen, indem er sich über Sensoren oder anhand von durch den Menschen eingegebene Eingangsdaten Fakten zusammenträgt. Anschließend vergleicht der Computer diese Informationen mit bereits gespeicherten Daten und bewertet ihre Bedeutung. Dann spielt der Computer verschiedene Szenarien durch und berechnet voraus, welche Aktion den größten Erfolg verspricht. Der Computer kann auf diese Weise nur solche Probleme lösen, für die er programmiert wurde – beispielsweise Schach spielen.
Ein Roboter kann beispielsweise hinzulernen, indem er erkennt, ob eine konkrete Aktion wie eine ganz bestimmte Beinbewegung beim Umgehen eines Hindernisses zum gewünschten Erfolgt führt. Der Roboter speichert diese Informationen und probiert beim nächsten Auftreten der identischen Situation wieder genau diese Aktion aus. Diese Fähigkeit hat jedoch ihre Grenzen. Im Gegensatz zum Menschen können Roboter nicht alle beliebigen Arten von Informationen aufnehmen.
Einige Roboter können soziales Verhalten aufzeigen. Kismet, ein Roboter aus dem KI-Labor des MIT, erkennt Körpersprache und Tonfall des Menschen und reagiert entsprechend. Die Schöpfer von Kismet möchten in Erfahrung bringen, wie Erwachsene und Kinder nur durch Gesprächston und visuelle Reize interagieren. Diese unterschwelligen Interaktionen könnten zu einem Fundament für ein Lernsystem werden.
Da wir über ja auch über das Wesen der menschlichen Intelligenz kaum etwas wissen, ist die KI-Forschung größtenteils theoretischer Natur. Die Wissenschaftler zerbrechen sich den Kopf darüber, wie und warum wir lernen und denken, und probieren ihre Vorstellungen mithilfe von Robotern aus. Das MIT-Team setzt auf humanoide Roboter. Dem liegt die Ansicht zugrunde, dass ein Erleben der Welt auf menschliche Weise eine der Grundvoraussetzungen für das Entwickeln menschenähnlicher Intelligenz ist. Zudem erleichtert das den Leuten den Umgang mit Robotern und das wiederum erleichtert den Robotern möglicherweise das Lernen.
Dieses Thema wird in unserem Artikel „AI’s place in the IoT infrastructure“ (Der Platz von KI in der IoT-Infrastruktur) ausführlicher besprochen.

Abb. 3: Worin wird der Nutzen von künstlicher Intelligenz liegen? – Bild via Pixabay
Der Aufstieg der Roboter – Fluch oder Segen?
Wird der Aufstieg von Robotern und KI der menschlichen Gesellschaft letztendlich Nutzen bringen und unsere Lebensqualität verbessern – oder werden wir die Misere eines massenhaften Abbaus von Arbeitsplätzen erleben?
Dem vom IET herausgegebenen Magazin „Engineering & Technology“ nach, ist dieses Thema für Arbeitnehmer, Politiker und selbst Führungskräfte in der Wirtschaft sehr besorgniserregend. Es gibt bereits einige echt düstere Warnungen: So schätzt das Beratungsunternehmen PricewaterhouseCoopers ein, dass bis zum Jahr 2030 in den USA 40 Prozent und in Großbritannien 30 Prozent der Arbeitsplätze aufgrund der Automatisierung verschwinden werden. Andy Haldane, Chefvolkswirt bei der Bank of England, meint, dass es in Großbritannien bis zu 15 Millionen Arbeitsplätze gibt, die mit Robotern besetzt werden könnten.
Auch führende Köpfe der Wirtschaft nehmen dieses Problem sehr ernst, um nur Bill Gates („Roboter sollten Steuern zahlen.“) und Elon Musk („KI wird zum Dritten Weltkrieg führen.“) zu nennen. Politiker denken bereits darüber nach, den Vormarsch der Roboter durch wirtschafts- und finanzpolitische Maßnahmen zu verlangsamen. Außerdem sollten die Staaten in die Lage versetzt werden, diese Entwicklung, die sich als die nächste große industrielle Revolution herausstellen könnte, zum Guten nutzen zu können.
Es gibt jedoch auch optimistische Stimmen. Das Beratungsunternehmen Capgemini hat in einer Studie herausgefunden, dass bei 75 Prozent der Großunternehmen, die KI implementiert haben, durch KI neue Arbeitsplätze geschaffen wurden. Zudem konnten genauso viele Unternehmen durch die Einführung von KI eine Umsatzsteigerung von 10 Prozent verbuchen. Bei einer vom Chipdesigner ARM gesponserten Verbraucherbefragung waren 61 Prozent der Befragten der Auffassung, dass KI und eine fortschreitende Automatisierung das gesellschaftliche Dasein verbessern statt schädigen werden.
Einstieg in der Welt der Robotik
Roboter bieten uns zweifellos aufregende Möglichkeiten, und wie dem auch sei, die Roboter sind da und werden auch nie mehr verschwinden. Wie jedoch kann ein Entwickler diese Technologie in Angriff nehmen? Die ersten Schritte in der Welt der Robotik könnten mithilfe von Kits wie der von NXP auf den Markt gebrachten anwenderfreundlichen Mechatronik-Entwicklungs- und Vorführungsplattform FSLBOT oder dem preiswerten autonomen Roboter-Fahrzeugsystem RP6v2 erfolgen. Beide Kits eignen sich zum Sammeln von Erfahrungen mit Entwicklung, Programmierung und Prozessoren im Zusammenhang mit der Mechatronik. Das RB6v2 verfügt über Fähigkeiten wie das Messen der Lichtintensität, das Erkennen von Kollisionen und eines niedrigen Ladezustands des Akkus, das Messen und Regeln der Drehzahl von Motoren mittels hochauflösender Encoder und eines Datenaustauschs mit anderen Robotern oder Geräten.
Schlussfolgerungen
Zwar werden Geschwindigkeit, Richtung und Auswirkungen der Entwicklungen bei Robotik und KI heiß diskutiert, in einem besteht jedoch kein Zweifel: Roboter und KI sind da und werden auch nie mehr verschwinden. Wir haben uns die Reichhaltigkeit, die Innovation und die Vielfalt der heute schon in der Robotik vorhandenen Technologien angeschaut und mit den oben erwähnten Beispielen finden Entwickler und Enthusiasten, die sich mit dieser sich entfaltenden Welt befassen möchten, einen einfachen Einstieg. In Kenntnisnahme der, positiven oder negativen, Vorstellungen über die sich aus diesen Technologien ergebenen Konsequenzen ist es unabdingbar, dass wir so viele Meinungen und Ansichten wie nur möglich in diese Debatte einbringen.
Schließlich befürchten einige Kommentatoren mit Bedenken bezüglich des Voranbringens von auf KI basierenden Ressourcen, dass es sich hier um Optionen handelt, die wir nicht um jeden Preis ausüben sollten.
Referenzen
http://www.mirror.co.uk/news/weird-news/futuristic-robot-snakes-designed-repair-9857726
http://www.bbc.co.uk/news/technology-41399406
https://www.theguardian.com/world/2017/apr/04/chinese-man-marries-robot-built-himself
https://www.theverge.com/2017/10/30/16552006/robot-rights-citizenship-saudi-arabia-sophia
https://www.megabots.com/about
http://www.sciencemag.org/news/2017/04/watch-robot-construct-world-s-biggest-botmade-building-itself
http://www.nytimes.com/2012/08/19/business/new-wave-of-adept-robots-is-changing-global-industry.html
http://www.bbc.com/future/story/20170425-were-entering-the-next-era-of-drones
https://wyss.harvard.edu/technology/autonomous-flying-microrobots-robobees
http://whatis.techtarget.com/definition/android-humanoid-robot
https://www.bostondynamics.com/atlas
https://iot.telefonica.com/blog/what-is-iort-when-robotics-met-iot
https://www.abiresearch.com/market-research/product/1019712-the-internet-of-robotic-things
https://www.informationweek.com/strategic-cio/amazon-robotics-iot-in-the-warehouse/d/d-id/1322366
/amazon-a-prime-example-of-an-iot-implementation
https://science.howstuffworks.com/robot6.htm
/ai-place-in-the-iot-infrastructure
https://eandt.theiet.org/content/articles/2017/09/the-future-of-work-if-the-robots-don-t-take-it-all
/nxp/fslbot/mechatronics-robot-kit-w-twr-mech/dp/1893331
Das Internet of Robotic Things. Datum der Veröffentlichung: 15. Januar 2018 von Farnell

